Gewiß seid Ihr alle voller Unruhe, daß ich so lange - lange nicht geschrieben.

Ich bin reich, ich sehe gut aus. Zahlen auf Scheiben in meinem Blickfeld, politische Karrikaturen wider der Verdrossenheit Auferstehung in Gehörgängen lebloser Massen. Gutmenschen wählen Protest, um auf die Abstraktion pseudorationaler Lebensmittel aufmerksam zu machen.

Sobald sie das Sein der Nichtexistenz durch Selbstversuch wissenschaftlich nachweisen wird können, geht die Sonne auch in kafkaesken Galaxienhaufen unter.

Später an diesem Tag sprach er mich dann auf meine sexuellen Neigungen an. Er kann nichts anfangen mit pervers schönen Hüftknochen, deshalb verurteile ich ihn zum Tode durch den Strang und werde vom Richter zum Henker zum Idioten zweiter Klasse. Es gibt kein wahrhaftigeres Lächeln auf diesem Planeten, als das unmittelbar auf einen Genickbruch folgende - Wahrheit und Schönheit waren sich nie näher.

Es wäre daraus zu schließen, daß Clara das ruhige häusliche Glück noch fand, das ihrem heitern lebenslustigen Sinn zusagte und das ihr der im Innern zerissene Nathanael niemals hätte gewähren können.

30.9.06 18:15


It was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen.

Da sitzt er nun und erzählt mir von den Ausmaßen ihrer Papilla mammaria. Ihm fällt ein, dass einige seiner besten Arbeiten im Kokainrausch entstanden sind und ist über diese Tatsache außerordentlich glücklich. Die Andere ist Vizeweltmeisterin im Brasilianischen Ringen (wirklich), scheint aber nach und nach ihre subdominante beziehungsweise devote Ader zu entdecken. Schließlich hat sie ihm die Schuhe gestohlen, obwohl er schon Informatik studiert und Hamburger verkauft hat. Der Mann mit der Nase ist schon viel eher gegangen, weil seine Frau jeglicher Tageslichtauglichkeit entbehrt. Manchmal frage ich mich, ob man dort (der Rest des Satzes wurde nicht überliefert). Derweil spricht mich der Hamburgermann von der Seite an, ob wir nicht mal zur Garage fahren und some crack kaufen wollen. Das werden wir dann an die hungernden Kinder in Südfrankreich schicken.

He loved Big Brother.
23.9.06 16:50


Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben.

Einst lebte in einer der alten Städte im hohen Norden ein Mann, dessen Leben Arbeit hieß. Er arbeitete Morgens, er arbeitete Abends, er arbeitete Nachts. Wochenenden und Urlaube kannte er nur aus Büchern. Weihnachten hatte er als Kind zwar gefeiert, später aber nie vermisst.

Es ergab sich also, dass ebenjener Mann, von Zeit zu Zeit, vielleicht zwei, drei mal im Jahr, Menschen traf, deren Namen er kannte. Diese Treffen waren kein Zufall, er hatte sich mit jenen Menschen verabredet. Nach üblichen Begrüßungsfloskeln und dem Ausdrücken der Freude über das Wiedersehen hielt die heuchlerische Euphorie nicht lange an. Trotz aller Mühen konnte - nennen wir ihn K. - sein Desinteresse schon nach kurzer nur mit Anstrengungen unterdrücken.

Er flüchtete. Er flüchtete in den Rausch. Der Rausch, der Hässliches ästhetisch, Langweiliges faszinierend, Abstoßendes anziehend macht. Es war ein tiefer, dunkler Rausch, der sich schwer über sein Bewusstsein legte und von Alkanolen verschiedenster Herkunft süßlich dargestellt wurde.

Als er sich verabschiedete, schliefen alle; es hätte ihn wenig tangiert, wären sie tot gewesen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, er musste sich an den Sternen orientieren. Zwanzig Meilen durch menschenleere Straßen, über Felder, Zäune, Mauern. Auf Schienen ohne Züge. Acht Stunden später viel er - den bittersüßen Geschmack des nun nackten Rausches auf den Lippen, in schmerzhaft traumlosen Schlaf.

So far about my weekend. And yes, 20 miles. And no, I don't give a shit that somewhere in good old Germany people voted for fascism.

Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.

18.9.06 23:25


Es stimmte: Mit fünfundzwanzig Jahren hatte er das Land noch nie verlassen, hatte sich von seinem Geburtsort noch nie weiter als drei Tagesmärsche, anderthalb Tage mit dem Pferdefuhrwerk oder einen langen Nachmittag mit dem Zug entfernt.

Sprachlos stehe ich meinem imaginären Gegenüber gegenüber und schaue ihm/ihr ins Gesicht. Nur unauffällig vernarbte Lachfältchen verraten die wahre Identität seines Gewissens. Wenn man unter Insomnia leidet, ist man nie vollkommen wach. Alles scheint hinter einer Wolke, einem Nebel zu verschwinden, Idealismus und Idiotie verschmelzen zur wunderbaren Einheit. Ich will im Absinth ertrinken, Polen befreien, Regen machen. Ich will von IHR gefunden werden, wer immer SIE sein mag. Ich will nie wieder wollen müssen.

Scharenweise seilten sich an seinem Gesicht die Tränen ab.
16.9.06 04:09


The story so far: In the beginning the universe was created.

Herr, ich habe gesündigt:

Ich habe für viel Geld mit einer tschechischen Prostituierten über polnische Literatur gesprochen.

Das ist zwar schon eine Weile her, aber Integralrechnung wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut.

Morgen spiele ich Theater.

"Oh, just something I threw into the river this evening. I don't think I'll be wanting it anymore," said Arthur Dent.


14.9.06 21:34


Wir starteten in La Guardia, New York, mit dreistündiger Verspätung infolge Schneestürmen.

Mein Schlafzimmer riecht wie das meiner Eltern als ich klein war. Nachdem ich dies feststellt hatte, dachte ich nur kurz daran, ein Thermometer zu kaufen und mir den Inhalt intravenös zuzuführen. Ich glaube, dass ich keine Spritze habe, obgleich dies nicht unbedingt der zur Entscheidung führende Umstand war.

Mein Lebenstraum: Paris. Ein sehr altes Mietshaus in einem sehr alten Viertel, vielleicht neben einem Friedhof. Im fünften und obersten Stockwerk ist ein Atelier. Alles aus Holz, sehr alt, aber nicht schäbig. Der große - von einem Oberlicht erhellte - Raum wird durch einen Holzbalken in der Mitte geteilt. An dem Holzbalken eine Schlinge, in der Schlinge mein Kopf. Ich habe einen Wohlkragenpullover an und bin unrasiert. Auf meine Handflächen sind Zitate von Jean-Paul Sartre tätowiert. Im Hintergrund posiert ein Aktmodell, unbekleidet bis auf eine Baskenmütze. Sie hat schwarzes, glänzendes Haar und eine überlange Zigarettenspitze in der linken Hand. Obwohl die Zigarette brennt, raucht sie nicht. Sie betrachted den schwarzen Nagellack auf den Fingern ihrer rechten Hand und bewegt diese, als müsste der Nagellack noch trocknen. Man kann ihr ansehen, dass sie angestrengt darüber nachdenkt, wie man gleichzeitig Trauer und Faszination nur mit Hilfe eines nackten Körpers darstellt. Dennoch strahlt vornehme Gleichgültigkeit aus ihrem Gesicht. Die Szene ist in körnigem Schwarzweiß gehalten.

Morgen stirbt mein Mitgefühl zum zwölften Mal.

18.05 Uhr
Sie kommen.
12.9.06 21:31


There were a few hotels near central station but the first one she went to was more than three hundred dollars a night and she was aware that she could no longer afford it.

Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass Magenschmerzen nur ein schwacher Ersatz für wahre Liebe sind. Sollen meine Gefühle doch blind werden vom Masturbieren, ich werde sie kaum übers Knie legen können.

Wenn ich meinen Kopf nur stark genug gegen die Wand schlage, wird er früher oder später begreifen müssen, dass das alles keinen Sinn macht. Das Rein muss raus und das Raus muss rein. Ist ja lächerlich. So ein Aufstand wegen ein paar alter Briefe. Die waren ja nichtmal gut. Hat sie alles sowieso nur so gesagt, wusste ich doch damals schon. Im Grunde genommen habe ich sie die ganze Zeit durchschaut. Von Anfang an. Ich habe nur mit ihr gespielt, eine Gefühlsmätresse, mehr nicht.

Wahrheit Wahrheit Warheit. Wer braucht schon Wahrheit. Was hat denn Wahrheit jemals für mich getan? Wahrheit ist hässlich, Wahrheit ist geschmacklos. Nichtmal ficken kann man sie, eure verkommene Wahrheit. Da belüge ich mich doch lieber selbst und rede mir das Gegenteil ein. Das tut zwar mitunter weh, aber wer schön sei will, muss fühlen.

Ich fühle nichts. ÜBERHAUPTNICHTS. Kein schlechtes Gewissen, keine Magenschmerzen, keine Wand an meinem Kopf. Vielleicht habe ich heute ein paar mal an sie gedacht, na und? Ich denke ja auch an Atomkraftwerke oder Leberflecken. Und das heißt wohl kaum, dass die mir irgendwas bedeuten.

Wenn ich mir die Zigarette auf der Handfläche ausdrücke, muss ich wieder allen die Geschichte erzählen, wie mir die Hand beim Pizza-aus-dem-Ofen-Holen abgerutscht ist. Irgendwann glaubt mir das eh keiner mehr. Aber was tut man nicht alles für zehn Sekunden Leben schmecken.

Her punishment was no redemption.
12.9.06 00:57


Gestern haben wir Christoph begraben. Nicht wir, sie haben ihn begraben. Bin ich ein schlechter Mensch, nur weil sich dann und wann auch mein Gewissen prostituiert? Ist ja nicht so, dass ich Blasphemie nicht mag. Aber es kotzt mich an, wenn Deine Oberschenkel wieder nach Selbstachtung schmecken. Lass Dir ruhig die Pulsadern versiegeln. Ich spucke in Deine Erinnerungen und wische die Rotweinflecken mit Antidepressiva weg. Wenn ich tanzen könnte, würde ich bestimmt nicht dauernd meine Geheimratsecken mit denen von Teleny vergleichen.
10.9.06 22:50


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