Wir starteten in La Guardia, New York, mit dreistündiger Verspätung infolge Schneestürmen.

Mein Schlafzimmer riecht wie das meiner Eltern als ich klein war. Nachdem ich dies feststellt hatte, dachte ich nur kurz daran, ein Thermometer zu kaufen und mir den Inhalt intravenös zuzuführen. Ich glaube, dass ich keine Spritze habe, obgleich dies nicht unbedingt der zur Entscheidung führende Umstand war.

Mein Lebenstraum: Paris. Ein sehr altes Mietshaus in einem sehr alten Viertel, vielleicht neben einem Friedhof. Im fünften und obersten Stockwerk ist ein Atelier. Alles aus Holz, sehr alt, aber nicht schäbig. Der große - von einem Oberlicht erhellte - Raum wird durch einen Holzbalken in der Mitte geteilt. An dem Holzbalken eine Schlinge, in der Schlinge mein Kopf. Ich habe einen Wohlkragenpullover an und bin unrasiert. Auf meine Handflächen sind Zitate von Jean-Paul Sartre tätowiert. Im Hintergrund posiert ein Aktmodell, unbekleidet bis auf eine Baskenmütze. Sie hat schwarzes, glänzendes Haar und eine überlange Zigarettenspitze in der linken Hand. Obwohl die Zigarette brennt, raucht sie nicht. Sie betrachted den schwarzen Nagellack auf den Fingern ihrer rechten Hand und bewegt diese, als müsste der Nagellack noch trocknen. Man kann ihr ansehen, dass sie angestrengt darüber nachdenkt, wie man gleichzeitig Trauer und Faszination nur mit Hilfe eines nackten Körpers darstellt. Dennoch strahlt vornehme Gleichgültigkeit aus ihrem Gesicht. Die Szene ist in körnigem Schwarzweiß gehalten.

Morgen stirbt mein Mitgefühl zum zwölften Mal.

18.05 Uhr
Sie kommen.
12.9.06 21:31
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen




















Gratis bloggen bei
myblog.de